Im Süden unserer Republik gibt es einen urigen Brauch: die Kehrwoche
, diese wird noch einmal in eine kleine und große Kehrwoche unterteilt. War ich bisher immer unangenehm berührt mit Eimer und Feudel das Treppenhaus zu schrubben und dankbar wenn mich niemand sah, ist mir im Laufe der Zeit aufgefallen, daß es Sinn macht aufzufallen. Denn ansonsten wird man schief angeguckt und man gerät in den Verdacht die Kehrwoche nicht zu machen, deshalb ist es nötig möglichst viel Radau beim Putzen zu machen, daß heißt jeder zweite Feudelschlag sollte ans Treppengeländer donnern. Um sichtbare Zeichen zu setzen sollte der gesamte zu wischende Bereich im Wasser schwimmen, welches möglichst penetranten Reinigungsmittelduft verströmt.
Nur durch diese Massnahmen hat man der Pflicht genüge getan. Und kann sich vor den Argusaugen der Nachbarn ungehemmt gerieren.
Folgt man meinen Ratschlägen nicht, kommt es schnell zu unschönen Pamphleten im Treppenhaus:
Bezeichnenderweise ist dieses Blatt nicht unterschrieben und so hat nun jede Partei Anlaß die jeweils anderen als kleinliche Korinthenkacker im persönlichen Notizbuch der Feinde zu führen.
Kehrwoche
, Korinthenkackerei
, Schwaben![]()

mit
am 3.12.2005 um 17:06 Uhr
Was genau ist denn der Unterschied zwischen “kleiner” und großer “Kehrwoche”? Und könnte der Ursprung dieses Begriffes mit dem der “Karwoche” identisch sein?
Der entsprechende Ausdruck hier im Nordosten lautet übrigens “Hausordnung” - wie ich von den leidgeplagten Verpflichteten knurrenderweise in regelmäßigen Abständen zu hören bekomme… “Feudeln” kennt hier kein Mensch…*Heimwehbekomm*
mit
am 3.12.2005 um 17:13 Uhr
Lass das mit der Karwoche mal nicht den Freilach lesen…
Die kleine Kehrwoche bedeutet Feudeln vor der Wohnungstür, vor des Nachbarswohnungstür und dann die Treppen bis zur nächsten Etage (abwärts).
Die große Kehrwoche besteht aus dem Fegen diverser Gemeinschaftsräume, Feudeln der Treppen, die zu keiner Wohnungstür führen (i. e. die Kellertreppe), Feudeln des Waschraums, Fensterputzen im Waschraum, Putzen der Glasbausteine(!) im Haustürbereich, Ausfegen (süddeutsch: Kehren) dieses Hohlraums unter dem Trittgitter, Feudeln der Kacheln vor der Haustür, Abwischen der Aussenlampe, Briefkästen wischen(!) und zu guter Letzt Fegen/Kehren des Weges zum Bürgersteig und den Bürgersteig dasselbst.Und wie gesagt je mehr Gepolter und Gefluche dabei desto besser ;).
mit
am 4.12.2005 um 1:40 Uhr
Die Kehrwoche - Auf den Punkt gebracht
Danke, daß Du es endlich mal auf den Punkt gebracht hast.
Die Kehrwoche, die auch ich hier im Süden Deutschlands kennenlernen mußte, bringt mich quasi schon seit meinem Einzug in meine Wohnung vor etwa 2,5 Jahren um den Verstand.
Auch ich mußte …
mit
am 4.12.2005 um 8:41 Uhr
Nachtrag:
Hier kennt auch niemand das Wort: Feudeln.
mit
am 9.12.2005 um 10:26 Uhr
Feudeln…..lernte ich erst im Norden kennen… lach…
Ich muss allerdings sagen, dass selbst ich als Süddeutsche die großen und kleinen Kehrwochen gehasst habe. Keine Ahnung wer sich dieses System einfallen ließ.
Die Stuttgarter Ecke ist etwas gaaaaaanz besonderes… ;-))
Ich bin ne Münchnerin, eigentlich, jetzt bei Bremen im Asyl….
mit
am 9.12.2005 um 11:18 Uhr
Tja so sitzen wir alle woanders, wobei mich interessieren würde ob Du persönlich lieber im Norden oder Süden lebst.