Normalerweise bin ich gut informiert. Aber woher diese plötzliche Verve kommt mit der sich Tibet gegen die chinesische Okkupation erhebt, weiß ich ehrlich gesagt nicht.
Denkt man an Tibet kommt einem ja unweigerlich der Dalai Lama in den Sinn und dieser steht eher für eine buddhistisch geprägte Gewaltlosigkeit zumindest kann und mag ich nicht glauben, daß dieser weise und für uns Langnasen unaufgeregt wirkende Mensch ein aufrührerischer Rebellenführer ist.
Immerhin liegen 50 Jahre friedlichen Protests hinter der Exilregierung und allen Tibetern. Das China jetzt die Aufstände nutzt um den Dalai Lama auf das übelste zu diffamieren und die eigene Härte mit einem angeblich gelenkten Protest begründet - absurd und beschämend.
Was mich aber wirklich wütend macht ist dieses Wischiwaschi um einen Olympiaboykott:
Jetzt sprechen betroffene Sportler, heucheln Verständnis wollen aber Politik nicht auf ihrem Rücken ausgetragen wissen. Das das Morden und die brutale Unterdrückung mit Politik nichts mehr zu tun hat, sondern eine Katastrophe darstellt… geschenkt.
Man hat ja so lang trainiert.
Schauen wir uns die Mächtigen an, ein ebenso trauriges Bild, man protestiert zaghaft möchte die Werkbank der Welt aber nicht zu sehr kränken, woher sollen sonst auch die schönen Billigwaren kommen?
Bei einer ähnlichen Ausgangssituation im Iran wäre die Reaktion sicherlich sehr viel deutlicher (nicht besser) ausgefallen.
Mir scheint der Rest der Welt lässt ein Abgleiten in die finstersten Zeiten Chinas ungehindert geschehen und China hat ja auch mit Umsicht alle Ausländer der Region verwiesen, damit nicht so hässliche Bilder wie 1989 ihren Weg zu uns finden mögen.
Es kann keine Frage sein ob die Spiele boykottiert werden sondern nur noch wann und das sollte längst nicht die einzige Reaktion sein. Man kann nicht ein Fest der Nationen in einem Land austragen in dem einzelne Bevölkerungsgruppen leiden und sterben müssen für den Wunsch nach Heimat und Identität.

mit
am 25.3.2008 um 10:52 Uhr
Ja, auch ich war von dem Ausbrechen der Gewalt in und um Tibet herum überrascht, und das obschon ich nie sonderlich gut informiert bin…
Mir fällt dazu zweierlei ein:
1. kann ich mir gut vorstellen, dass diese Aktion von langer Hand geplant war, um China kurz vor den Olympischen Spielen in eine prekäre Situation zu bringen und so vielleicht zu Kompromissen gegenüber dem besetzten Tibet zu zwingen. Ob dies legitim ist, wenn es denn so geschehen wäre, wage ich nicht zu beurteilen; ich denke einmal schon, da ein Volk ja das Recht auf Souveränität hat und dafür in Grenzen wohl auch Gewalt anwenden kann. Wo dann aber bei der Involvierung von Zivilisten die Grenze zwischen Freiheitskämpfern und Terroristen liegt, ist ja ein altbekanntes Dilemma.
2. scheint der Mensch sehr kurzfristig zu denken oder aber sich an gewisse Situationen übermässig zu gewöhnen. Jede Kleinigkeit bringt große Themen in die Diskussion, die schon seit Jahren oder Jahrzehnten bestehen und dann tut ein jeder so, als müsse man nun handeln weil es ja einen (wenn auch noch so nichtigen) Auslöser gibt.
Nicht, daß die Gewalt in Tibet eine Kleinigkeit wäre, aber es ist schon erstaunlich wie auf einmal die Besetzung Tibets wieder auf das Tapet gelangt ist, wo doch die grundsätzliche Situation schon seit Jahrenden besteht. Aber entweder scheint der Mensch Auslöser zu benötigen, um sich zu entrüsten, oder aber diese Entrüstung ist nur scheinheiliges Getue, da man das Gefühl hat, aus einer moralischen Verpflichtung heraus diese Ereignisse nicht einfach als business-as-usual abtun zu können, und gleichzeitig ganz froh ist, es nur bei der Entrüstung zu belassen und bloß den Worten keine Taten folgen zu lassen. (Schliesslich kann man nicht davon ausgehen, dass allein ein Olympiaboykott den Tibetern wirklich helfen würde, auch wenn es wenigstens eine symbolische Rüge wäre)