Buchhändler galten ja lange als verhuschte, intellektuelle Alleswisser, die obskuren Idealen anhängend, jeden Kunden anhand seiner unausgegorenen Wünsche in wenig schmeichelhaft bezeichnete Schubladen steckten.
Aber auch in der alternativsten Buchhandlung hat mittlerweile gewinnorientiertes Wirtschaften und schamloses Anwanzen an den Mainstream Einzug gehalten, jeder Kunde, der des Lesens halbwegs mächtig ist, wird hofiert und egal was er/sie verlangt, der Buchhändler tut alles in seiner Macht stehende, den Wunsch zu erfüllen.
Ja, die Romantik ist allerorten auf dem Rückzug und die kalte neoliberale Fratze zeigt ihr hässliches Grinsen auch im einst so kuscheligen Buchhandel und das hat seine Ursachen mitnichten in der gewachsenen Konkurrenz (Filialisten, Onlinebuchhandlungen, Bravo-Foto-Love-Story,etc. pp.). Auch neue Medien (Internet, SMS, Graffiti, Steuerbescheid) buhlen um des Konsumenten Aufmerksamkeit und mal ehrlich wer liest denn nach des Tages Mühsal noch anspruchsvolle Literatur (ich weiß durchaus um die zahlreichen Ausnahmen dieser Polemik).
Bücher entfachen heutzutage einfach nicht mehr die Leidenschaft, die sie früher einmal zu Tage förderten (Werther, Bibel, Geschichte der O). Daran Schuld sind der Mainstream – der in vielen Dingen mitmischt qua Definition, risikoscheue Verleger, Buchhandlungen die nur noch bewährte Verlage und Titel ins Haus lassen und der Leser/die Leserin.
Er/sie kann aber nichts dafür, schliesslich haben wir Buchhändler uns ja diesen Konsensquatsch selbst angelacht, man denke nur an die Vampirbuchflut.
Deshalb ist es mehr als angenehm, wenn dem Buchhändler mal ein Kunde über den Weg läuft, der wirklich für bestimmte Bücher/Autoren “brennt”, der mit Seufzern der Verzückung Wendungen aus Lieblingsbüchern zitiert, dem Buchhändler auf die Schulter klopft und gemeinsam mit diesem in der gemeinsamen Lesehistorie schwelgt. Diese Menschen gibt es zum Glück noch häufiger als hier dargestellt und welch’ tolle Blüten diese Begeisterung austreiben lässt, der schaue mal folgendes (nsfw):
Happy Birthday, Mr. Bradbury!
